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BIM und Infrastruktur: Praxiseinblicke aus Sachsen

15.06.2026

Ben Kreißig, Leiter AEC und GIS bei NTI Deutschland, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Regionalgruppentreffens.
Gunther Wölfle, Geschäftsführer von buildingSMART Deutschland, informierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Neuigkeiten bei buildingSMART.
Ria Liebscher, Abteilungsleiterin Geodatenmanagement im Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN), sprach zum Thema "Digitaler Zwilling Sachsen".
Hendrik Görne, Projektgruppenleiter Vermessung bei der LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH des Freistaates Sachsen, beleuchtete die Perspektiven der Straßenbauverwaltung beim Thema Digitaler Zwilling.
Annette Göthner (li), Leiterin der BIM-Abteilung bei NTI, sprach zum Thema "BIM – Infrastruktur im Wandel", Carolin Leipold (re.), Leiterin der Anwendungsbetreuung bei NTI, widmete sich typischen Herausforderungen in Infrastrukturprojekten.

Unsere buildingSMART-Regionalgruppe Sachsen hatte am 2. Juni 2026 zu einem Treffen unter dem Titel "BIM und Infrastruktur: Betrachtung aus der Praxis – Stand, aktuelle Herausforderungen, Lösungsansätze und Ausblick" eingeladen. Gastgeber war das buildingSMART-Mitgliedsunternehmen NTI Deutschland GmbH in Chemnitz, wo sich am frühen Abend gut dreißig Teilnehmende zu Praxisvorträgen rund um den Digitalen Zwilling Sachsen, BIM und GIS in der Verkehrsinfrastruktur sowie zu Fragen der IFC-Standardisierung zusammenfanden. Wie bei allen buildingSMART-Veranstaltungen gab es im Anschluss viel Gelegenheit für fachlichen Austausch und Networking.

Nach der Begrüßung und der Vorstellung des Gastgebers NTI Deutschland durch Ben Kreißig, Leiter AEC und GIS, sowie Neuigkeiten aus der Geschäftsstelle, präsentiert von Geschäftsführer Gunther Wölfle, widmeten sich die Vorträge dem Schwerpunktthema BIM im Infrastrukturbereich – von aktuellen Entwicklungen über bestehende Herausforderungen bis hin zu Lösungsansätzen und einem Ausblick auf kommende Aufgaben.

Digitaler Zwilling Sachsen

Den ersten Fachvortrag hielt Ria Liebscher, Abteilungsleiterin Geodatenmanagement im Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN), zum Thema "Digitaler Zwilling Sachsen". Zunächst präsentierte sie die Vision und das Konzept für den Digitalen Zwilling Sachsen. Dieser soll ein Service-Angebot in Form eines intelligenten, räumlichen, digitalen Abbilds des Freistaats Sachsen für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden sein, die konkrete, raumbezogene Fragestellungen haben. Das Konzept sieht Services und Anwendungen vor, die auf verlässlichen Geobasisdaten beruhen. Grundlage hierfür ist das 3D-Mesh, das durch regelmäßige Befliegungen aktuell gehalten wird. Für die konkreten Anwendungen ist es jedoch erforderlich, eine Vielzahl weiterer Stakeholder aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft einzubinden.

Im Mittelpunkt ihres Vortrags standen die beiden derzeitigen Machbarkeitsnachweise (Proof of Concept, PoC), die zahlreiche Anwendungsfälle des Digitalen Zwillings Sachsen bereits heute erlebbar machen. In der Gemeinde Waldheim (Landkreis Mittelsachsen) werden derzeit erste digitale Anwendungen im kommunalen Kontext erprobt. Ziel ist es, die Vorteile zentral bereitgestellter 3D-Daten und Analysen für ländliche Kommunen aufzuzeigen. Etwa für die lokale Infrastrukturplanung oder für Bürgerbeteiligungsverfahren. In der Stadt Heidenau (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) ist geplant, digitale Innovationen im Rahmen eines raumgreifenden Infrastruktur-Großprojekts zu erproben. Konkret geht es um die ICE-Neubaustrecke Dresden–Prag mit dem geplanten Bahntunnel durch das Osterzgebirge. Der Zwilling wird hier eingesetzt, um das Großvorhaben interdisziplinär zu planen, Trassenverläufe zu simulieren und das städtebauliche Potenzial für die Stadt Heidenau, die am Tunnel-Eingang liegt, zu prüfen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere der Zwilling von Baugrund und Geologie sowie die Integration von BIM, GIS und Geologie von entscheidender Bedeutung.

Strategische Perspektiven der Straßenbauverwaltung

Im Anschluss beleuchtete Hendrik Görne, Projektgruppenleiter Vermessung bei der LISt Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen mbH des Freistaates Sachsen, in seinem strategischen Vortrag die Perspektiven der Straßenbauverwaltung beim Thema Digitaler Zwilling. Der Beitrag richtete den Blick zunächst am Beispiel des Straßenbaus auf die Anforderungen des Digitalen Zwillings Sachsen an Bestandsdaten: Diese müssen georeferenziert, präzise und aktuell sowie topologisch korrekt sein und auf Fachobjekten (Geometrie und Semantik) basieren. Des Weiteren erläuterte er die Regelwerke und technischen Grundlagen für die Bestandserfassung und die Objektstruktur des "Informationssystems Straße" im Straßenbau, insbesondere den Katalog Grundpläne (2002, Sachsen), RAS, RVerm und OKSTRA. Katalog Grundpläne und OKSTRA sind aus gutem Grund in der sächsischen Straßenbauverwaltung gesetzt, stellen die Verbindung zu BIM und dem internationalen Standard IFC sowie zum Digitalen Zwilling jedoch noch vor Herausforderungen, weil sie lediglich die CAD-Sicht bedienen. Hendrik Görne plädierte entschieden dafür, nicht entweder auf OKSTRA oder IFC zu setzen, sondern über ein Mapping beide Schemata nutzbar zu machen. Er hält dies für eine wichtige Aufgabe der buildingSMART-Fachgruppe BIM-Verkehrswege.

Infrastruktur im Wandel

Den dritten Vortrag bestritt der Gastgeber NTI Deutschland unter dem Titel "BIM – Infrastruktur im Wandel". Annette Göthner, Leiterin der BIM-Abteilung bei NTI, erinnerte an den langen, noch anhaltenden Prozess der Einführung von Building Information Modeling (BIM) in der Verkehrsinfrastruktur des Bundes. Dieser begann mit dem Endbericht der Reformkommission Großprojekte und der Veröffentlichung des BIM-Stufenplans (beide 2015) und ist noch nicht abgeschlossen. Der vorläufige Höhepunkt wird voraussichtlich erreicht, wenn bis Mitte/Ende 2027 die BIM-Methodik für alle öffentlichen Bau- und Infrastrukturprojekte verbindlich angewendet werden muss – unabhängig vom Bauvolumen. Die Reife der BIM-Anwendung wird sich auch durch das derzeit im parlamentarischen Verfahren befindliche Infrastruktur-Zukunftsgesetz (InfZuG) ab etwa Mitte 2026 weiter verbessern. Es ermöglicht, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte deutlich beschleunigt, weiter digitalisiert und effizienter gestaltet werden – insbesondere in der Verkehrsinfrastruktur. Zu beachten ist jedoch, dass der Bund mit seinen Vorgaben ausschließlich auf Maßnahmen des Bundes Zugriff hat. In Kommunen ist BIM noch nicht im Regelbetrieb eingesetzt, ist aber auch de facto der Standard.

Annette Göthner legte ausführlich die Neuerungen für den Verkehrsinfrastrukturbau dar, die sich mit der Veröffentlichung von IFC 4.3 (ISO 16739-1:2024) ergeben haben. Damit werden zahlreiche zusätzliche Aufgaben in der Infrastruktur (Straße, Schiene, Wasserwege und Brücke) abgedeckt. Mit IFC 4.4 (derzeit in Abstimmung bei buildingSMART International) wird auch Tunnel verfügbar sein. Sie legte zudem dar, warum NTI von dem neuen Weiterbildungsprofil "Vertieftes Wissen Infrastruktur" von buildingSMART Deutschland so überzeugt ist, dass sich das Unternehmen bereits Anfang 2026 als einer der ersten Schulungspartner hat listen lassen.

Ergänzt wurde der Beitrag durch Carolin Leipold, Leiterin der Anwendungsbetreuung bei NTI. Sie widmete sich typischen Herausforderungen in Infrastrukturprojekten und demonstrierte Lösungen in der Software Civil 3D. Dazu zählen ein neues Feature zur Definition zusätzlicher Eigenschaftssätze an Objekten sowie erste Lösungen für den IFC-4.3-Import und -Export. Letzterer ist noch ein Entwicklungsfeld, das jedoch laufend verbessert werden soll. NTI ist überzeugt, dass öffentliche Bauherren im Bereich der Verkehrs- und Energieinfrastruktur zunehmend auf BIM setzen. Sie fordern in Ausschreibungen immer häufiger offene Standards, modellbasierte Prozesse und eine digitale Übergabe in den Betrieb. Mit IFC 4.3, IDS und neuen Zertifizierungsverfahren stehen die notwendigen Standards zur Verfügung, um BIM über den gesamten Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten hinweg interoperabel, qualitätsgesichert und zukunftsfähig umzusetzen.

Austausch und Vernetzung

Wie bei buildingSMART-Veranstaltungen üblich, bestand im Anschluss an die Vorträge bei Getränken und einem kleinen Imbiss die Möglichkeit, den fachlichen Austausch zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. buildingSMART Deutschland dankt der Regionalgruppe Sachsen, dem Gastgeber NTI Deutschland GmbH, allen Referentinnen und Referenten sowie allen Teilnehmenden für einen in jeder Hinsicht gelungenen Abend mit wertvollen Impulsen und anregenden Gesprächen.

Dasselbe Themenfeld rund um BIM, GIS und Infrastruktur wird die Regionalgruppe Sachsen in diesem Jahr noch mindestens ein weiteres Mal aufgreifen: Am 10. November 2026 geht es an der HTW Dresden erneut um Vermessung und GIS, diesmal im Zusammenhang mit der Neubaustrecke Dresden–Prag. Gelegenheit zum Networking gibt es aber schon bald im Sommer: Für den 19. August 2026 lädt die Geschäftsstelle in Dresden zum traditionellen Hoffest ein.

Weitere Informationen zur Regionalgruppe Sachsen finden Sie hier.

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