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ISO 19650: Was die Revision bedeutet und wie der aktuelle Stand ist

28.06.2026

Dr. Volker Krieger / Bild: privat

Die Normenreihe ISO 19650 steht vor ihrer bislang tiefgreifendsten Überarbeitung. Was zunächst als routinemäßiger Fünf-Jahres-Review begann, hat sich zu einem grundlegenden Neuansatz entwickelt – mit weitreichenden Konsequenzen für das Informationsmanagement im Bauwesen.

In einem ausführlichen Interview mit dem bSD+-Fachmagazin erklärt Dr. Volker Krieger, langjähriges Mitglied der internationalen Arbeitsgruppe ISO TC59/SC13/WG13 und DIN-Vertreter, die Hintergründe der Revision. Im Mittelpunkt steht ein struktureller Schwachpunkt der ersten Normgeneration: Die bisherige Aufteilung in einen Projektmanagement- und einen Assetmanagementteil habe zu Redundanzen und konzeptionellen Inkonsistenzen geführt. Die neue Fassung löst dieses Problem, indem sie den Asset Lifecycle als übergreifendes Paradigma setzt – ein Perspektivwechsel, der dem tatsächlichen Investitionsverhalten im Bauwesen deutlich besser entspricht.

Volker Krieger erläutert im Gespräch zudem, warum der neue Begriff "Information Production" weit mehr umfasst als sein deutsches Pendant vermuten lässt, weshalb der Draft bewusst technologieoffen formuliert ist und gleichzeitig offene Standards wie IFC ausdrücklich bevorzugt – sowie, was Organisationen jetzt konkret tun sollten (und was nicht).

Aktuelle Entwicklung: Verzögerung und personeller Wechsel

Wie aus der Kommentarberatung vom 25. Juni 2026 hervorgeht, hat sich der Zeitplan der Revision weiter verschoben. Zum zweiten Draft International Standard (DIS) sind rund 1.200 Kommentare eingegangen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Klärungsbedarf weiterhin hoch ist. Mit einer Markteinführung der revidierten Normenreihe ist nun erst Ende 2027 zu rechnen, etwa ein Jahr später als bislang angenommen.

Hinzu kommt ein personeller Einschnitt: Convenor Anne Kemp steht ab 2028 nicht mehr zur Verfügung. Ein Abschluss der Arbeiten bis dahin gilt als realistisch und wird innerhalb der WG13 ausdrücklich angestrebt. Mit der Kommentarbearbeitung wurde eine eigens gegründete Update Group beauftragt, der unter anderem Volker Krieger, Peter Bo Olsen und Peter Kompolschek angehören. Wöchentliche Arbeitstreffen sowie Präsenzsitzungen ab Juli sollen sicherstellen, dass die Kommentare bis Herbst 2026 abgearbeitet sind.

Terminologisch zeichnet sich eine wichtige Weichenstellung ab: Der bislang verwendete Begriff „Information Delivery" wird durch „Information Production" ersetzt – eine Anpassung, die inhaltlich eng mit dem neuen Asset-Lifecycle-Paradigma verknüpft ist.

Zum Interview

Was die Revision konkret für Bauherren, Auftraggeber, Planungsbüros und KMU bedeutet und welche Schritte jetzt sinnvoll sind, erklärt Dr. Volker Krieger im ausführlichen Gespräch mit unserem Fachmagazin bSD+.

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